Archiv der Kategorie 'Homophobie und Islamophobie- Da undDort!'

Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie (Bielefeld)

Vortrag mit Zülfukar Çetin

Homophobie und Islamophobie

Der Vortrag von Zülfukar Çetin basiert auf der Dissertationsarbeit „Homophobie und Islamophobie. Intersektionale Diskriminierungen am Beispiel binationaler schwuler Paare in Berlin “ und handelt von homophoben, rassistischen und sozialen Diskriminierungen, denen muslimische Schwule in Berlin ausgesetzt sind. Der Vortrag geht auf die Verwobenheit von Heteronormativität und Rassismus sowohl theoretisch als auch empirisch ein. Ein Schwerpunkt liegt vor allem auf der Heteronormalisierung und Orientalisierung homosexueller Männer, die sich als „Ausländer“ bezeichnen oder die als „Ausländer“ angesehen werden.

Wann: Freitag, 9. November 2012 um 14:00 Uhr
Wo: Universität Bielefeld, Raum C0 269

Rezension

Zülfukar Çetin: Homophobie und Islamophobie. Intersektionale Diskriminierungen am
Beispiel binationaler schwuler Paare in Berlin.

Rezension von Eva Kalny:

Die Lebensgeschichten der sechs schwulen Männer zeigen, dass die deutsche
Mehrheitsgesellschaft Homosexualität keineswegs durchgehend offen gegenüber steht. Auch
deutsche Schwule sind mit Diskriminierung konfrontiert, und sie flüchten teilweise aus
ländlichen Regionen in die Großstädte, um hier zumindest teilweise offen schwul leben zu
können. Homosexuelle mit Migrationshintergrund sind zusätzlich beständig mit rassistischer
und islamophober Diskriminierung konfrontiert, die sich auch in schlechteren Chancen am
Arbeitsmarkt auswirkt, und damit – neben aufenthaltsrechtlichen Problemen – zu einem
Ungleichgewicht in der Beziehung führen kann. Jene Männer, die in Deutschland geboren
wurden und aus binationalen Ehen stammen, leiden ebenso unter rassistischer
Diskriminierung und werden von der Mehrheitsgesellschaft als Migranten bzw. Ausländer
und, unabhängig von ihrem tatsächlichen Glauben, als Muslime wahrgenommen.
Çetins Analyse kratzt am Selbstbild der europäischen, sich aufgeklärt glaubenden
Gesellschaft: Homophobie, Rassismus und Islamophobie sind durchgehende und strukturelle
Merkmale einer Mehrheitsgesellschaft, die von sich selbst meint, toleranter als andere
Bevölkerungsgruppen zu sein (S 357), und damit hegemonialer Machtverhältnisse aufrecht
erhält. WEITERLESEN

Männlichkeitsforschung und Intersektionalität

von Michael Tunç

Die Männlichkeitsforschung im deutschsprachigen Raum hat sich inzwischen als eigenständiger Bereich der Geschlechterforschung bzw. der Gender Studies etabliert und breit ausdifferenziert, befindet sich aber hinsichtlich ihrer intersektionalen Profilierung noch am Anfang der Entwicklung. Das Forschungsfeld Männlichkeitsforschung kam später auf als beispielsweise in den USA, wo sich die Men’s Studies schon in den 1980’er Jahren herausbildeten. Als Ursprünge deutschsprachiger Männlichkeitsforschung lassen sich die Frauenbewegung und feministische Kritiken an Männern nennen, die Schwulen- und Queerbewegung sowie die Männergruppen-Szene. (…)

… In einer anderen wichtigen interdependenten Männlichkeitskonfigurationen verbinden sich migrantische und queere Positionierungen: Anhand seiner qualitativen Studie mit schwulen Flüchtlingen aus dem Iran konnte Marc Thielen (2009) u.a. zeigen, dass gute ökonomische Ressourcen Marginalisierungserfahrungen aufgrund der sexuellen Identität und ethnischen Minderheitenzugehörigkeit zumindest kompensieren können. Zülfukar Çetin untersuchte binationale schwule Paare in Berlin und fand in den qualitativen Interviews Erfahrungen von Mehrfachdiskriminierungen, bei denen oft ökonomische und rassistische Ausgrenzungen zusammenwirkten (Çetin 2012). WEITERLESEN

Das Ende der Strafbarkeit von Homosexualität – 18 Jahre Abschaffung § 175

von Heinz-Jürgen Voß

Fast geräuschlos ist ein für Schwule so wichtiges Datum vorbeigegangen. Am 11. Juni 1994 wurde der § 175 abgeschafft – das Ende des Paragraphen ist damit quasi volljährig geworden, wie das „Rosa Archiv“ aus Leipzig so schön ausdrückte. Diese Gelegenheit soll hier als Ausgangspunkt dienen, sich einmal der Strafbarkeit von gleichgeschlechtlichem Sex und schließlich dem § 175 grundlegend zuzuwenden. 1994 fiel immerhin nur noch die letzte Ungleichbehandlung weg – die noch festgeschriebenen unterschiedlichen Schutzaltergrenzen, die für heterosexuelle und homosexuelle sexuelle Akte standen. Diese letzte Stufe der Abschaffung wurde in Angleichung an DDR-Recht geschafft. Ja genau – in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung galten bezüglich schwulem Sex noch unterschiedliche Regelungen. Weiterlesen

Salih Alexander Wolter

Heute möchte ich auf zwei Rezensionen der Studie hinweisen. Vina Yun schreibt im Juli/August-Heft der Zeitschrift an.schläge: «Zum Thema Mehrfachdiskriminierung liegen bis heute vergleichsweise nur wenige wissenschaftliche Forschungen und theoretische Auseinandersetzungen vor – umso relevanter ist hier Çetins Beitrag.» Und das Lob von Heinz-Jürgen Voß in der aktuellen Ausgabe von kritisch lesen (Direktlink) fällt ebenso uneingeschränkt aus, wie es nachvollziehbar und ausführlich begründet ist. Weiterlesen