Beschneidungsdebatte. Rezension

ak – analyse & kritik – zeitung für linke Debatte und Praxis / Nr. 580 / 15.2.2013

Ende 2012 erschien das Buch »Interventionen gegen die deutsche Beschneidungsdebatte« als zeitnahe Reaktion auf die im Sommer so hitzig geführte Diskussion. Die drei AutorInnen liefern eine kritische Analyse und Hintergrundinformationen zu der Debatte, die von antimuslimischen und antisemitischen Tendenzen sowie Unwissen über Vorhautbeschneidungen geprägt war. Im ersten Teil machen Zülfukar Çetin und Salih Alexander Wolter darauf aufmerksam, dass es sich in der Diskussion um das Verbot von religiös motivierter Zirkumzision keinesfalls um den Konflikt zwischen Religionsfreiheit und körperlicher Unversehrtheit handle. Mit Rekurs auf Adornos und Horkheimers »Dialektik der Aufklärung« arbeiten sie heraus, wie Angst davor geschürt wurde, christlich-demokratische Werte zu verlieren und die »Existenz der abendländischen Zivilisation von der Existenz der Vorhaut des Mannes abhängig gemacht wird«. Im zweiten Teil liefert Heinz-Jürgen Voß einen Überblick über Studien, die sich mit Folgewirkungen von Vorhautbeschneidungen befassen. Bei der differenzierten Betrachtung zahlreicher Studien wird klar, dass das gesundheitliche Risiko einer Zirkumzision keinesfalls jenes Ausmaß hat, welches durch die GegnerInnen beschrieben wurde. Bleibt zu hoffen, dass sich eine kritische Auseinandersetzung gemäß dem Wunsch der AutorInnen über die Fachkreise hinaus etabliert – ein Blick in den kleinen Band lohnt sich dafür allemal.

Lisa Krall

Homophobie und Islamophobie
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