Rezension

Zülfukar Çetin: Homophobie und Islamophobie. Intersektionale Diskriminierungen am
Beispiel binationaler schwuler Paare in Berlin.

Rezension von Eva Kalny:

Die Lebensgeschichten der sechs schwulen Männer zeigen, dass die deutsche
Mehrheitsgesellschaft Homosexualität keineswegs durchgehend offen gegenüber steht. Auch
deutsche Schwule sind mit Diskriminierung konfrontiert, und sie flüchten teilweise aus
ländlichen Regionen in die Großstädte, um hier zumindest teilweise offen schwul leben zu
können. Homosexuelle mit Migrationshintergrund sind zusätzlich beständig mit rassistischer
und islamophober Diskriminierung konfrontiert, die sich auch in schlechteren Chancen am
Arbeitsmarkt auswirkt, und damit – neben aufenthaltsrechtlichen Problemen – zu einem
Ungleichgewicht in der Beziehung führen kann. Jene Männer, die in Deutschland geboren
wurden und aus binationalen Ehen stammen, leiden ebenso unter rassistischer
Diskriminierung und werden von der Mehrheitsgesellschaft als Migranten bzw. Ausländer
und, unabhängig von ihrem tatsächlichen Glauben, als Muslime wahrgenommen.
Çetins Analyse kratzt am Selbstbild der europäischen, sich aufgeklärt glaubenden
Gesellschaft: Homophobie, Rassismus und Islamophobie sind durchgehende und strukturelle
Merkmale einer Mehrheitsgesellschaft, die von sich selbst meint, toleranter als andere
Bevölkerungsgruppen zu sein (S 357), und damit hegemonialer Machtverhältnisse aufrecht
erhält. WEITERLESEN

Homophobie und Islamophobie
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