Archiv für März 2012

Veranstaltungsangebote: Zülfukar Çetin (“Homophobie und Islamophobie”), Ralf Buchterkirchen (Desertion, Wehrkraftzersetzung, Kriegsverrat)

Veröffentlicht | von Anette Türk | am März 21, 2012 |
anlässlich der Leipziger Buchmesse fanden Buchvorstellungen in der Leipziger Frauenkultur http://www.frauenkultur-leipzig.de statt und möchte ich mit Relevanz für aktuelle Geschlechterbetrachtungen gern dazu anregen, die folgenden Autoren auch für die Veranstaltungen an den eigenen Einrichtungen einzuladen:

Zülfukar Çetin

“Homophobie und Islamophobie: Intersektionale Diskriminierungen…”
Infos zum Buch: http://www.transcript-verlag.de/ts1986/ts1986.php

Anfrage für Veranstaltungen und Rezensionsexemplare:
zuelfukar.cetin@yahoo.de

(Beitrag auch in “Karriere eines konstruierten Gegensatzes”, Infos und Bestellmöglichkeit: http://yilmaz-gunay.de/ )

Ralf Buchterkirchen

“… und wenn sie mich an die Wand stellen” Desertion, Wehrkraftzersetzung und “Kriegsverrat” Infos zum Buch: http://deserteurehannover.de/index.php?option=com_content&view=article&id=64&Itemid=65
Anfrage für Veranstaltungen und Rezensionsexemplare: rbu@deserteure-hannover.de

Interview mit Zülfukar Çetin

1. »Bücher, die die Welt nicht braucht.« Warum trifft das auf Ihr Buch nicht zu?
Es mag sein, dass in der Welt weißer heterosexueller Männer nicht so gern über die eigenen Privilegien nachgedacht wird. Aber Rassismus und Heteronormativität gehen genau aus dieser ‹Selbstverständlichkeit‹ hervor. Mein Buch zeigt, wie sich Mehrfachdiskriminierungen am Beispiel binationaler schwuler Paare vollziehen und kann damit zum Abbau von Diskriminierungen und Vorurteilen beitragen. Vielleicht bedeutet es für manche eine Herausforderung, Vorrechte aufzugeben – umso nötiger ist sie!

2. Welche neuen Perspektiven eröffnet Ihr Buch?
Dieses Buch zeigt, wie unterschiedlich sich Diskriminierungserlebnisse auf einzelne Betroffene und ihren Alltag auswirken. Es geht nicht nur darum, wie oft die Menschen Rassismen und Homophobien erleben, sondern auch wie intensiv sie diese wahrnehmen, empfinden und verarbeiten. Das Buch beansprucht eine kritische Auseinandersetzung mit Marginalisierungs-, Essentialisierungs-, Markierungs- und Identitätspolitiken in einer Mehrheitsgesellschaft.

Zülfü Interviewfoto

3. Welche Bedeutung kommt dem Thema in den aktuellen Forschungsdebatten zu?
Queere Lebensweisen und so genannte Migranten/-innen werden in der vorherrschenden Sicht meist im Kontrast identifiziert. Meine Studie bringt dagegen Diskriminierungen aus einer queer-migrantischen Perspektive zum Ausdruck und hinterfragt eurozentrische Studien zu Migration und Schwulsein. Homophobie und Islamophobie sind Erscheinungsformen von Heteronormativität und Rassismus. Das Buch widerlegt den konstruierten Gegensatz und zeigt, wie Menschen zum ›Anderen gemacht werden.

4. Mit wem würden Sie Ihr Buch am liebsten diskutieren?

Während des Schreibprozesses habe ich immer an mögliche Leser/-innen gedacht und gehofft, ihnen nach der Veröffentlichung zu begegnen. Ich habe aber nicht ein bestimmtes Publikum im Kopf gehabt, wer, wann wo dieses Buch lesen würde. Daher bin ich neugierig darauf, mit Leser/-innen und anderen Interessent/-innen über das Buch zu diskutieren.

5. Ihr Buch in einem Satz:
Dieses Buch ist eine einzige Herausforderung selbst-kritisch zu sein und eigenen Heteronormativismus und Rassismus zu überwinden.

http://www.transcript-verlag.de/ts1986/ts1986.php

Buch: Homophobie und Islamophobie

»Dort bin ich schwul, hier bin ich Ausländer …«
Dieser profunde Beitrag zur Erforschung der Mehrfachdiskriminierung in den städtischen liberalen Milieus der Mehrheitsgesellschaft untersucht binationale schwule Paare in Berlin, die zugleich mit Homophobie und Islamophobie konfrontiert sind. Zülfukar Çetin zeichnet die Geschichte und histo¬rische Entwicklung der Diskriminierung plausibel nach und zeigt, dass die Homophobie aus den Prä¬missen der Heteronormativität und den daraus folgenden Normalisierungsprozessen resultiert.
Die Studie macht deutlich, dass die untersuchten Diskriminierungsbegriffe eng mit der Macht des Diskurses verbunden sind.

Eine Leseprobe kann hier heruntergeladen werden